Montag, 31. Dezember 2012

Wieso das Neue Jahr ungesund ist


Das Neujahr ist ein gefährlicher Irrtum


An jedem 31.12. finden wir dieselben Schlangen vor den Kassen im Supermarkt, so als würde es im kommenden, „neuen“ Jahr keine Lebensmittel mehr zu kaufen geben. Dabei ist nur am 01.01. eines jeden Jahres ein gesetzlicher Feiertag. Am 02.01. sind Preise zumeist nicht höher als am 31.12. (Preiserhöhungen finden eher vor Weihnachten statt), es sei denn die Mehrwertsteuer wird erhöht. Und dennoch sind die Supermärkte nicht weniger voll als an einem 24.12., dem zwei gesetzliche Feiertage, maximal drei Tage ohne geöffnete Geschäfte folgen. Und nein, meinen Beobachtungen zu Folge sind es nicht die letzten Silversterknaller, die den Kundenansturm auslösen. Eher scheint es so, als habe der Gedanke an ein „neues“ Jahr sich tief in unsere Köpfe eingebrannt. Aber warum?


Sicherlich treten an Neujahr zahllose neue Gesetze in Kraft. Manche beginnen eine neue Arbeit und für zahllose Familien beginnt in der Silvesternacht mit einer Kindsgeburt eine neue Zeit(rechnung). Aber für die Mehrheit der Menschen ist der 02.01., ist der 01.01. eine „neuen“ Jahres nicht anders, als der 31.12. oder 30.12. oder alle 363 Tage davor. Und wer kein Geld für Böller ausgegeben hat, bei dem ist auch das Portemonnaie gleich gut gefüllt und das Konto auch.


Was also versetzt uns so in Ekstase? Wieso glauben wir zu Neujahr nahezu krampfhaft an einen Neubeginn, der für die Mehrzahl von uns real gar nicht passiert? Wieso nehmen wir uns Dinge zum 01.01. vor, die wir uns auch zum 01.12. vornehmen könnten (ich verstehe jeden Menschen, der das Vorhaben weniger Süßwaren zu sich zu nehmen vom 01.12. auf den 01.01. verlegt)?


Was also ist es, das uns dazu verleitet gerade jetzt gute Vorsätze zu fassen, die wir jeden Tag fassen und umsetzen können; wohlgemerkt können, nicht könnten? Ist der Jahreswechsel so sehr mit dem alten Glauben an das Vertreiben böser Geister verknüpft, dass uns dies an Neujahr besonders leicht zu fallen scheint? Liegt es daran, dass wir nur alle 365 Tage die Jahreszahl ändern, wenn wir das Datum schreiben? Ist das wirklich ein so einschneidender Vorgang? Und was hat dies nun alles mit Burnout, Gesundheit und psychischer Belastung am Arbeitsplatz zu tun, oder im Privatleben? Nun mit der Belastung am Arbeitsplatz sehr viel. Das wird sich gleich zeigen, falls Sie es in Ihrem Arbeitsleben noch nicht selbst bemerkt haben.


Denn unsere Obsession mit dem Wechsel der Jahreszahl im gregorianischen Kalender, welcher übrigens erst seit 1582 durch Dekret von Papst Gregor XIII. gilt und damals den seit Julius Cäsar angewendeten Julianischen Kalender ersetzte, ist scheinbar grenzenlos, selbst wenn Neujahr nach dem gregorianischen Kalender ab 1582 nicht überall auf der Welt zur gleichen Zeit stattfand. Wenn heute selbst in China und der islamischen Welt Verträge und staatliche Feiertage anhand des gregorianischen Kalenders festgelegt werden, so ist das eine vergleichsweise neue Tatsache. So wechselte China erst 1949 und Russland 1918 in Folge der jeweiligen dortigen Revolutionen zum gregorianischen Kalender, Japan 1873 und das Vereinigte Königreich von Großbritannien erst 1752.


Zumindest in den Fällen von England und Japan wird historisch interessierten Menschen die zeitliche Nähe der Umstellung zur unaufhaltsamen Industrialisierung beider Staaten auffallen. Und in der Tat diktiert der päpstliche Kalender von 1582 heute nicht nur Vertragsdaten selbst in der islamischen Welt. Er setzt den Stichtag für Jahresabschlüsse, Halbjahresberichte und Quartalsberichte fest. Letztere wiederum sind ihrem Inhalt nach nicht unbedeutend für das Spekulationsverhalten an den Börsen weltweit. Das Datum ist eine Handelsware geworden. Bei Terminkontrakten für Rohstoffe wie Erdöl oder für Grundnahrungsmittel und bei Ausschreibungen für Projekte. Wir sind nicht von der Zeit getrieben. Zeit ist - zumindest auf der Erde - immer gleich (so ich Einstein richtig verstanden habe). Wir sind Datumsgetrieben, stehen im Terminstress.


Nun ist dem gregorianischen Kalender wenig Willkür zu unterstellen. Die bekannte Mathematik ihrer Zeit wurde von päpstlichen Astronomen ausgereizt, wie es ging, um einen wahrhaft plausiblen Kalender zu erstellen, der ein stabiles Kirchenjahr mit festen Festtagen in Übereinstimmung mit der Jahreszeit und dem Monat erlaubte. Unserer Entscheidung Termine zum Maßstab von Dingen zu machen ist einem vergleichbaren Wunsch nach Stabilität und Gleichförmigkeit zuzuordnen. Uns so feiern Unternehmen zwar nicht das „Neue Jahr“ aber regelmäßig zwischen drei und sechs Monate nach demselben die Veröffentlichung ihrer Bilanzen und Jahresabschlüsse für das dann schon lange vergangene Jahr. Parallel findet in den meisten Unternehmen  währenddessen schon die Planung für das Folgejahr statt oder am laufenden Plan werden gerade Korrekturen - zumeist Einsparungen - vorgenommen.


Nun will ich aber nicht wieder wider die Planwirtschaft in unternehmen schreiben. Denn so ungesund diese sein mag, so sehr verdient auch unser Datumsfetisch Aufmerksamkeit. Nun ist es sicherlich sinnvoll Aufgaben in einem zeitlich angemessenen Rahmen abzuschließen.  Damit dies gewährleistet ist, versuchen Unternehmen mit umfänglicher Aufgaben- und Projektkontrolle Fortschritte zu verfolgen und zeitliche Abweichungen früh zu bemerken. Mindestens die berühmte Projektampel kommt in jedem Unternehmen zum Einsatz - fast.


Den der Termindruck resultiert nur aus dem Erfordernis am Tag X einen Quartalbericht mit abgeschlossenen Aufgaben vorzulegen, am Ende des Jahres alle Projekte abgeschlossen zu haben, damit die Planziele erreicht sind und der Bonus des Vorgesetzten gezahlt wird. Dabei wird aber nicht dem Notwendigen gefolgt. Es geht bei diesem Verhalten nicht um die Aufgabe, nicht um die Lösungsqualität sondern nur um das Datum. Es wird unterstellt, dass gute oder richtige Lösungen oder die Erledigung von Aufgaben immer möglich sind und immer geschaffen werden können, unabhängig von deren Dauer. Nur Zeit, ausgedrückt im Datum, die scheint begrenzt. Wer gut ist schafft die Lösung, die Erledigung der Aufgabe in wenig Zeit, verbraucht wenig Tage des Kalenderjahres.


In Unternehmen mit besonders psychisch belasteter Unternehmenskultur wird auf den Gängen oft gewitzelt, dass ein neues Projekt wenn es beschlossen wurde, am besten schon einen Tag vorher fertig gewesen sein sollte und idealerweise nichts gekostet hat und ab dem Tag der Einführung Gewinne erwirtschaftet. So lachhaft dies sein mag, so sehr tendieren die Erwartungen an beschäftigte, und Führungskräfte der mittleren Ebenen, genau in diese Richtung. Nicht weil dadurch die Aufgabe besser oder gewissenhafter erledigt werden würde, die Qualität des Projektergebnisses ansteigen würde, sondern weil der Kalender Festlegungen erlaubt, die das falsche Gefühl von Sicherheit, Planbarkeit und Freiheit versprechen. Doch die Realität, das Leben, sieht eben anders aus.

Lesen Sie meinen kompletten Blog Beitrag zum neuen Jahr "Wieso das Neue Jahr ungesund ist" auf meiner Website http://www.burnout-unternehmensberatung.de 


Dienstag, 18. Dezember 2012

Psychische Gesundheit in den Schlagzeilen


Leistungsfähig trotz Depressionen



Dieser Tage haben zwei Nachrichten über psychisch belastete Menschen die Titelzeilen bestimmt. Beide kommen aus den USA. Sie heißen Lindsey und Adam.

Lindsey ist seit mindestens 2004 schwer depressiv, nimmt Medikamente. Sie ist ein Talent. Sie hat Erfolge vorzuweisen trotz Erkrankung. Je drei goldene und silberne und eine Bronze-Medaille bei Weltmeisterschaften und Olympia - aber auch schwere Stürze. Weltcup Siege und sich leer fühlen.

Über Adam wissen wir dagegen kaum etwas. Er ist niemandem aufgefallen, war wohl hochbegabt aber ungeschickt im Umgang mit anderen Menschen. Daraus entstand vermutlich ein psychisches Leiden. Wir wissen es nicht. Adam ist heute tot, Selbstmord nach einem Amoklauf an einer Grundschule in Newtown.

Beide kamen am gleichen Tag in die Schlagzeilen, Adam allerdings führt sie global an. Es mag die Faszination des Menschen mit der Sensation sein oder nur sein Mitgefühl angesichts der 20 toten Kinder und Ihrer ermordeten Lehrerinnen. Das Unbegreifliche begreifen zu wollen, gehört zu uns dazu. Es heißt aber auch, dass Adam das Bild von psychisch erkrankten Menschen und von Depressionen weit mehr prägen wird, als Lindsey.
  
So werden Unternehmen auch weiterhin bestrebt sein Menschen mit psychischer Erkrankung los zu werden - notfalls auch durch gezieltes Befördern eben genau dieser Erkrankung. In der Tat liest sich mancher Artikel für den Umgang mit Burnout-Betroffenen durch die Personalabteilung / HR eher wie eine Liste all der Dinge die man nicht oder genau anders machen sollte, um ans Ziel zu kommen (die "Ausmusterung"). Die optimale Rückführung in den Betriebsalltag steht trotz Fachkräftemangel nicht ernsthaft zur Debatte.

Das mag daran liegen, dass die meisten Vorgesetzten in ihren Rollen bereits heute sozial völlig überfordert sind. Die tägliche Versagensangst im Nacken müssen ihre inneren Abwehrreaktionen gegenüber psychisch belasteten und zwischenzeitlich erkrankten Mitarbeitern immens sein. Personalabteilungen dürften in diesen Menschen eher Schwachstellen erkennen, als Erfahrungspotential.

Lesen Sie den kompletten Beitrag "Psychische Gesundheit in den Schlagzeilen" auf meiner Website.

Samstag, 24. November 2012

Worklife-Balance statt Work-Life Balance



Mit Work-Life-Balance am Ziel vorbei



Es sind einige Wochen seit meinem letzten Blog-Beitrag vergangen. In der Liste der Themen, zu denen ich schreiben könnte, fand sich aber keines, welches mich so richtig in Arbeitswut versetzte. Das ist schlecht aus Sicht der Selbstvermarktung und dem Erscheinen meiner Webseiten bei Google, wenn nach Beratung und Hilfe bei Burnout gesucht wird. Aber es ist normal, dass sich ein Mensch nicht laufend immer und zu 100% hinter ein Thema klemmt. Eine Ausnahme mögen hier die Fans des SV Werder Bremen sein, die auf Ihren Fanshirts stolz den Slogan 100% Werder tragen.

Die meisten Menschen verfallen heute in Selbstzweifel oder werden sich selbst gegenüber ungehalten, ja aggressiv, sind zumindest aber mit sich selbst unzufrieden, wenn sie nicht immer 100 Prozent oder besser noch mehr als 100 Prozent Leistung bringen, sie nicht immer voll präsent sind, nicht immer ansprechbar, erreichbar - alleine schon deshalb, weil ihre Vorgesetzten das offen oder indirekt von einem guten Mitarbeiter erwarten. Selbstredend sind alle die noch mehr leisten als sehr gute Mitarbeiter eines Lobes oder einer vagen Hoffnung auf Belohnung oder gar Beförderung würdig. Wer weniger als 100 Prozent Leistung zeigt ist hingegen motivationslos, schwach, leistungsunwillig oder unfähig, muss im Arbeitsleben seinen Austausch befürchten, ist doch angeblich jeder Mensch ersetzbar - außer dem Vorgesetzten, egal wie ungeeignet er oder sie in der Mitarbeiterführung sein mag.

Was hat das mit Work-Life-Balance zu tun? Wieso schreibe ich eigentlich über Work-Life-Balance, wenn ich auf der Startseite meiner Website doch klar zum Ausdruck bringe, dass ich von Work-Life-Balance Konzepten nichts halte, sie als ungeeignet erachte, das Problem von Burnout einzuschränken, sei es die Gefahr für einzelne Menschen, sei es das Risiko von Burnout-Fällen in Unternehmen?

Dies hat zwei Gründe: Zum einen musste ich mich dem Druck des Marktes geschlagen geben und den Terminus Work-Life-Balance in meine Präsentationen mit aufnehmen. Aus mir unerfindlichen Gründen hat sich der Terminus „Work-Life-Balance“ so sehr in den Köpfen der Menschen festgesetzt, dass scheinbar niemand als veritabler Burnoutberater gilt, der nicht dieses Schlagwort in den Ring wirft. Richtig ist, dass viele Menschen annehmen, dass eine Flut an Fachbegriffen die Qualifikation einer Person dokumentiert. Richtig ist aber auch, dass viele Menschen - mich eingeschlossen - dies anders sehen, weil auch Affen lernen können, Schlagworte zu schreiben.

Kennen Sie Bullshit-Bingo? Das ist ein Spiel bei dem Sie vor einem Meeting oder einer Präsentation eine Liste mit allen möglichen Schlagworten und Fachbegriffen rund um das Thema und den allgemeinen Zusammenhang drum herum erstellen, in der Form einer Bingo-Karte. Jedesmal wenn Sie einen der Begriffe während der Präsentation hören, streichen Sie ihn durch und sobald Sie eine Reihe voll haben, rufen Sie laut „BINGO“. O.k., die Wenigsten trauen sich dies offen zu tun, aber Schlagworte und Fachbegriffe - zumal solche die nicht der deutschen Sprache entstammen - fördern weder das allgemeine Verständnis noch sind sie ein Beleg für eine fachliche Qualifikation, außer vielleicht der des Lesens und Auswendiglernens

Zu meiner größten Freude scheine nicht nur ich bereit zu sein, den Begriff Work-Life-Balance einer genaueren Prüfung unterziehen zu wollen. Die Financial Times Deutschland brachte dieser Tage einen Artikel heraus, in dem sich zwei Autoren mit den Pros und Contras des Begriffes Work-Life-Balance befassten. Und das schöne für mich beim Lesen war: Ich kann beiden Autoren beipflichten - wenn auch immer nur in Teilen.

Was ist denn nun aber so falsch an Work-Life-Balance? Warum ist Work-Life Balance ungeeignet als Konzept oder Idee einen sinnvollen Beitrag zur Vorsorge gegen das Burnoutsyndrom bei einzelnen Menschen zu leisten? Wieso helfen Work-Life-Balance Maßnahmen in Unternehmen nicht die Gefahr für das Auftreten von Überlastung und Burnout zu verringern? Das liegt an dem, was Work-Life-Balance meint.

Work = Arbeit
Life = Leben
Balance = Balance bzw. Ausgeglichenheit

Arbeit-Leben-Ausgeglichenheit, also einen Ausgleich zwischen dem Leben und der Arbeit. Nur wo ist die Grenzen zwischen dem „Arbeitsmenschen“ und dem „Lebensmenschen“? Ist der Arbeitsmensch tot? Arbeitet der Lebensmensch nicht auch (sofern er oder sie nicht gerade von Arbeitslosigkeit betroffen ist)? Wie kommen wir dazu aus einem Menschen eine Art Doppelwesen zu machen, eine zweigesichtige Persönlichkeit, ja geradezu eine gespaltene Persönlichkeit, die ein Arbeitsleben….  ich muss mich korrigieren…  die eine Arbeitsexistenz hat und daneben ein von dieser unabhängiges Leben?
Das erscheint mir irgendwo zwischen Doppelleben, Marx und einem umgangssprachlich schizophrenen Lebensbild angesiedelt. Und das ist mir für ein so simples Wesen wie den Menschen eindeutig zu verquer!

Der Mensch schaltet nicht ab. Er ist nicht Arbeitsmensch und Familienmensch. Alleinerziehende Eltern arbeiten, damit sie ihre Kinder ernähren, ankleiden und ihnen einen guten Start ins Leben bereiten können. Wo käme die Motivation zum Arbeiten her, würden sie bei Betreten des Unternehmens abschalten oder umschalten auf Arbeitstier? Und ich verwende hier den Begriff Arbeitstier sehr bewusst. Nicht jedem Menschen bereitet die Arbeit Freude, nicht für alle bietet der Job auch das, was wir eigentlich in einem Beruf uns ersehnen - nämlich einer Berufung außerhalb von uns selbst und unserer Familie nachzugehen.

Aber daraus kann nur einen grundsätzlichen Widerspruch zwischen Leben und Arbeit konstruieren, wer selbst notorisch unzufrieden mit dem eigenen Leben in beiden Welten ist und sich nicht aus Diesem heraus bewegen kann. So ein Mensch aber erscheint mir eher hilfebedürftig, als geeignet anderen Menschen, die Hilfe bei oder vor drohender Überlastung benötigen, ein hilfreiches Konzept an die Hand zu geben.

Wenn ich in meinen Präsentationen die Work-Life-Balance einbringe, dann immer als die „Work-Life-Balance FALLE“. Diese Falle besteht darin, sich im Life Dinge zu gönnen und Dinge zu tun, die einem persönlich gut tun, die „die Batterien wieder aufladen“ - für die Arbeit. Indem wir uns aber genauso verhalten, in dem wir das Leben außerhalb der Arbeitszeit dafür verwenden genau für diese Arbeitszeit wieder fit zu werden, indem wir sie ausgleichen, in genau diesem Maße machen wir Freizeit zu arbeitsbezogener Zeit, ist die Freizeit, die sogenannte Lebenszeit, nur eine Regenrationsphase von der Arbeitsbelastung. Wie aber soll in dieser Regenerationsphase Zeit für die Aufgaben in der Familie oder nur den Aufgaben für sich selbst bleiben? Denn Sport z.B. wird allenthalben gegen Stress, das Risiko von Burnout und auch gegen Depressionen empfohlen. Doch was hat dieser Sport noch mit mir als Mensch zu tun, wenn er dazu dient die Belastungen der Arbeitsmaschine zu kompensieren?

Vom Arbeitsmenschen zum Arbeitstier, hin zur Arbeitsmaschine. Wer BWL studiert hat wird darin u.U. so wie ich eine unausweichliche Folge des 100 Jahre alten Konzepts der wissenschaftlichen Unternehmensführung nach Taylor sehen. Bei dieser geht es im Prinzip darum die Arbeitsschritte in so kleine Einheiten zu zerlegen, dass ein Schritt einem Menschen so optimal beigebracht werden kann, dass im Endergebnis ein optimaler Produktions- und Managementprozess entsteht. Nur: Taylor ist falsch, das ganze Konzept, auf die heutige Zeit übertragen, ungeeignet und ein Trugschluss!

Ein Work-Life-Balance-Konzept aber beruht auf dem Gedanken von Taylor. Es trennt Arbeit und Restleben strikt voneinander und führt so in die vorstehend beschriebene Falle. Denn der getrennte Freizeitprozess ist eben nicht vom Arbeitsprozess getrennt. Der Ausgleichsversuch ist seine direkte Folge, mithin ein Output. Wenn die Prozesse in Unternehmen wie wir sie heute kennen, in ihren Grundsätzen auf Frederick Taylor beruhen und diese Prozesse zu immer mehr erkrankten Menschen führen, dann können wir mit einem Work-Life-Balance Konzept, welches sich unmittelbar an Taylor anschließt, das Problem nicht lösen. Wir machen nicht die Arbeitsprozesse gesünder sondern wir schaffen einen ungesunden Zusatzprozess im Leben von Menschen, der genau dahin führt, wo wir - zumindest ich nicht - Menschen sehen wollen: Psychisch überlastet und mit Depressionen und mit Burnout arbeitsunfähig.

Was also könnte besser sein als ein Work-Life-Blanace Konzept?

Wie wäre es beispielsweise mit einem Worklife-Balance Konzept, einem ausgewogenen Belastungssystem im Arbeitsalltag allgemein und auch über das gesamte Arbeitsleben durch Flexibilität bei den Prozessteilnehmern, durch agiles Handeln und ein Bewusstsein für die Bedeutung der Leistungsfähigkeit von Menschen für den Erfolg des Unternehmens am Markt?

Lesen Sie den kompletten Beitrag "Worklife-Balance statt Work-Life Balance" auf meiner Website http://www.burnout-unternehmensberatung.de 



Donnerstag, 30. August 2012

Burn-Out durch Monitor, Smartphone, Tablet?



Fördern LED Displays das Burnoutsyndrom?



Dieser Beitrag bezieht sich auf Aussagen von Schlafforschern der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel sowie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart, die ich der Ausgabe II/2011 der Zeitschrift „Faszination Seele“ so gelesen habe, eine Zeitschrift für Patienten mit psychischen Erkrankungen und deren Angehörige. Veröffentlichen wollte ich meinen auf diesem Artikel fußenden Blog-Beitrag schon wesentlich früher, aber die Gefahr heutzutage für die öffentliche Wiedergabe der eigenen Meinung oder eigener Thesen und Schlüsse juristisch belangt zu werden, ist doch sehr hoch und für einen selbständigen Berater nicht von der Hand zu weisen.
 
Bevor ich zum eigentlichen Blogbeitrag komme, möchte ich daher aus juristischen Gründen vorab erklären, dass ich in diesem Artikel nicht unterstelle, dass die Produkte eines oder mehrerer Hersteller, deren Bestandteil auch LED-Bildschirme sind, oder LED-Bildschirme als solche Auslöser, insbesondere alleinige Auslöser, eines Burnoutsyndroms sind, oder sein können. In diesem Blog-Beitrag suchen ich lediglich nach einem möglichen Sinnzusammenhang zwischen der Zunahme des Burnout-Syndroms in den vergangenen Jahren in Deutschland, damit verbundenen Erscheinungen wie Schlafstörungen und den vorstehend bezeichneten Aussagen, wie ich sie der vorstehend bezeichneten Quelle entnommen habe. Diese Sinnsuche meinerseits ist nicht wissenschaftlich, entspricht nicht den Popperschen‘ Kriterien will aber gerne zu Studien anregen, deren wirtschaftlich unbeeinflusste Ergebnisse dazu beitragen mögen Ursachen und Risikofaktoren für Burnout auszuschließen.
 
Diese juristische Feststellung meinerseits getroffen, veröffentliche ich nun gerne diesen Blog-Beitrag. Was mich letztendlich mit dazu bewogen hat diesen Beitrag in meinem Blog zu veröffentlichen war die Äußerung des Leiters der Abteilung Arbeitsmarktpolitik bei Gesamtmetall, Burnout habe seine Ursachen hauptsächlich im privaten Bereich, da die Beschäftigten dort 82% ihrer Zeit verbrächten. Damit habe ich mich in meinem vorherigen Blogbeitrag über das „Outsourcing des Burnout Problems“ eingehend befasst. Nun könnte es den Anschein haben, ich wolle meinen massiven Widerspruch zu dieser Aussage aufweichen, denn der heimische Lebensbereich ist voll von LED-Bildschirmen - angefangen mit dem Fernseher. Dem ist aber nicht so.
 
Arbeitgeber haben eine Schutzverpflichtung gegenüber ihren Arbeitern und Angestellten. Diese Schutzverpflichtung einzuhalten ist nicht leicht. War Asbest anfänglich ein Segen für die Baubranche so wurde er später zum Problemfall und Gebäude zum teuren Sanierungsfall, weil sich Asbest als krebsauslösend erwies. Was heute gut scheint, kann morgen schon in seiner Gefährlichkeit für die Gesundheit nachgewiesen sein. Das dies so ist hängt mit dem menschlichen Denken zusammen. Wir Denken in Chancen und Möglichkeiten, in Verbesserungen und wo diese einen wirtschaftlichen Gewinn versprechen wird dieser auch realisiert. Dies ist zumeist deshalb auch möglich, weil es für neue Dinge kaum Vorschriften, Prüfkriterien und gesetzliche Rahmenbedingungen gibt. Das Internet gab es zwar schon mehrere Jahrzehnte, aber erst seine breite Nutzung führte zur Einführung von Gesetzen, meist solchen die rechtsfreie Räume schlossen. Regelungen hängen in der heutigen, schnell an Wissen hinzugewinnenden Gesellschaft, der technischen Entwicklung hinterher.
 
Aber auch Forschung und Wissenschaften hinken einander hinterdrein. Was in einem Fachgebiet A herausgefunden untersucht und als unbedenklich freigegeben wurde, kann in einem Fachgebiet B unbekanntes Neuland sein. In solch zeitlicher Asymmetrie sind Entscheidungen mit Unsicherheit verbunden. Je größer die Unsicherheit, desto größer das Problem des Schutzes vor Risiken. Das betrifft nicht nur chemische Substanzen, die nach 10 Jahren intensiver Forschung als unbedenklich gelten, bis weitere 30 Jahre später gesundheitlich negative Langzeitfolgen entdeckt werden. Von daher gehen zu Recht die Meinungen über den Forschungsbedarf welcher erforderlich ist, bevor heutzutage neue Substanzen oder Geräte in Umlauf gebracht werden dürfen, weit auseinander.
 
Dass es so etwas normales, simples und alltägliches wie LED-Bildschirme betreffen könnte, mag verwundern. Aber wie normal und alltäglich waren Laptops und Fernseher mit Flachbildschirmen vor 10 Jahren, oder 15 Jahren? Ich werde nicht müde zu schreiben, dass es in keiner medizinischen Wissenschaft heute mehr neue Veröffentlichungen gibt, als in der Gehirnforschung. Über nichts an uns und in uns publizieren wir als mehr und neuere Erkenntnisse, als über jenen Teil unseres Körpers, in den wir als geistiges Wesen zumindest physisch mehrheitlich zu finden sind. 
 
Als Gewohnheitstiere haben wir uns daran bisher nicht angepasst. Aber unser Körper braucht nur sehr kurze Zeit auf äußere Veränderungen zu reagieren. Gewohnheitsmäßig legen wir unsere Hand nicht für längere Zeit auf eine heiße Herdplatte, verzeichnen einen Anstieg sexueller Botenstoffe im Körper, wenn uns ein attraktiver Partner oder eine attraktive Partnerin begegnet und wir reagieren auch auf LED-Bildschirme: Wir unterdrücken das Schlafhormon Melatonin, wodurch sich unser Wach-Schlaf-Rhythmus verschiebt. Einschlafstörungen, Schlaflosigkeit, Müdigkeit und vermehrtes Stressempfinden können die Folgen sein.
 
Lesen sie den ganzen Blog "Burn-Out durch Monitor, Smartphone, Tablet?" auf meiner Website. Dort finden Sie im Blog-Beitrag auch den Link zur Studie.
 

Montag, 20. August 2012

Outsourcing des Burnout-Problems


Arbeitgeberverband Gesamtmetall veröffentlicht
merkwürdige Haltung zu Burnout



Leserinnen und Leser meines Burnout-Blogs wissen, dass ich mich mit frontalen Angriffen zurückhalte. Nicht nur weil sie unschön sind, sondern auch weil das Internet voll von Menschen ist, die ihre Kenntnisse von Gesetzeslücken oder Gerichtsurteilen dazu nutzen Gewinne aus ehrlichen Absichten von Unternehmern und Freiberuflern zu schlagen, die eigentlich nur informieren oder ihre Sicht der Dinge darstellen wollen.
 
Heute will ich eine Ausnahme machen. Ich mache sie, weil es niemand geringeres als den Arbeitgeberverband Gesamtmetall betrifft. Als Unternehmensberater ist das zugegebenermaßen mutig. Immerhin umfassen meine potentiellen Kunden auch die Mitglieder bei Gesamtmetall.

Aber ich erwarte gerade von Unternehmern und demzufolge von Arbeitgebern eben mehr als bloßes Management. Dies habe ich schon in meiner Zeit als Angestellter getan. Ich erwarte Führung und Übernahme von Verantwortung. Und von einem Verband, der die Arbeitgeber einer für Deutschland so wichtigen Branche wie der Metall- und Elektro-Industrie vertritt, erwarte ich besonders viel, weil deren Wohlfahrt auf Grund ihrer Größe einen Einfluss auf die Wohlfahrt in unserer gesamten Volkswirtschaft mithin der gesamten Gesellschaft hat.

Mit dem Interview, welches Dr. Falk-Gerald Reichel, Leiter der Abteilung Arbeitspolitik in der Nordwest Zeitung zum Thema Burnout gegeben hat, sehe ich diese gesellschaftliche Aufgabe in gröbster Weise verletzt. Die selbstverständliche Pflicht zur Übernahme von Verantwortung durch Unternehmer, Unternehmen, Vorstände, Manager und Geschäftsführer wird aus meiner Sicht in fahrlässiger Weise unterlaufen. Da das Interview auch auf den Seiten desArbeitgeberverbands Gesamtmetall wiedergegeben ist, gehe ich davon aus, dass das Interview so tatsächlich stattgefunden hat. Somit schließe ich eine Fehlinterpretation der im Interview gemachten Aussagen bei dessen Wiedergabe durch die Nordwest Zeitung ebenfalls aus.

Was mich nun in gewohnt leidenschaftlicher Form umgangssprachlich ausgedrückt auf die Palme bringt?

Es ist das Outsourcing des Burnout-Problems!

Sie wissen was Outsourcing ist? Falls nein hier die kurze Erklärung: Outsourcing ist ein Vorgang bei dem ein Unternehmen die Herstellung eines Produktes, einer Dienstleistung oder eines Bauteils bzw. einer Baugruppe, welche für die Erstellung der eigenen Leitung benötigt wird, nicht mehr selbst übernimmt, sondern an ein anderes Unternehmen abgibt. Die Quelle (engl.: source) wird von innen nach außen verlagert, wodurch eine Zulieferfunktion entsteht. Und nicht weniger tut der Leiter der Abteilung Arbeitspolitik bei Gesamtmetall mit dem Thema Burnout, bzw. den Ursachen für Burnout. Er lagert sie aus den Unternehmen seines Verbandes großzügig aus.

Lachen sie jetzt nicht, aber wenn Sie den vorstehend verlinkten Artikel lesen, so steht dort: „Bei uns in der Metall- und Elektroindustrie sind die Mitarbeiter aufs Jahr gesehen rund 82 Prozent ihrer Zeit außerhalb des Betriebs. Das allein macht klar, dass auch ein Großteil der Quellen für Burnout-Symptome im Freizeitbereich zu suchen sind.“

Lesen Sie es ruhig zweimal, dreimal oder viermal. Es wird sich nichts an der Aussage ändern. Weil Menschen ihre Zeit nicht nur am Arbeitsplatz verbringen, sondern z.B. zu Hause schlafen, essen, trinken, zur Arbeit pendeln, ist klar, dass die Ursachen für Burnout einen Großteil der Quellen im Freizeitbereich haben. Ist das wirklich klar?

Nach der Logik des Leiters der Abteilung Arbeitspolitik bei Gesamtmetall, müsste also die Zahl der Burnoutfälle sinken, wenn die Menschen weniger Freizeit hätten, bzw. mehr Zeit am Arbeitsplatz verbringen würden, wo sich ja zumindest weniger Quellen für Burnout finden, als im häuslichen Schoße der Familie, unter Verwandten, Freunden und Bekannten.

Ich kann, will und werde nicht ausschließen, dass diese Ansicht von Herrn Dr. Reichel durch die Beobachtung seines eigenen Lebens gedeckt ist. Er hätte dann, ungeachtet der Sträflichkeit, die ich seiner Aussage zubillige, mein persönliches und menschliches Mitgefühl. Selbst vormals von Burnout betroffen, weiß ich wie schlimm dies für einen Menschen ist und er könnte sich meiner besten Wünsche für seinen weiteren Weg gewiss sein.

Aber dies würde nichts an der völligen Unhaltbarkeit der Kausalität ändern, die der Leiter der Abteilung Arbeitspolitik bei Gesamtmetall versucht herzustellen. Gewiss, die Überschrift des Interviews mag suggerieren, dass es inhaltlich nur um eine Relativierung der Ursachen geht, dass also nicht nur Faktoren der Arbeitswelt zu Burnout bei Menschen führen. Es hat m.W. nach aber auch nie jemand behauptet, dass Burnout nur durch Arbeit verursacht werden könnte oder würde. Eine Relativierung erübrigt sich somit.

Es kann dem Interviewten aus meiner Sicht aber auch nicht um eine Relativierung gegangen sein. Die Frage: Ist die Arbeit der wichtigste Burnout-Auslöser?“, wird im ersten Satz mit einem einzigen Wort beantwortet, einem Nein. Nein, Punkt aus Ende. Ok, wie im verlinkten Interview nachzulesen kommt es dann zum Aufruf nach mehr Forschung. Aber eben auch die vorstehende zitierte Aussage zur Hauptursachenquelle wird gemacht, zur Untermauerung dieses Neins.

Doch wieso diese Verleugnung von Verantwortung? Wieso dieses Outsourcing, zumal ja das Ergebnis, der psychisch belastete Mitarbeiter bzw. die psychisch belastete Mitarbeiterin ja ohnehin früher oder später im Betrieb erscheinen wird, wie eben auch ein in der Fertigung ausgelagertes Teil oder eine Baugruppe?

Und weil Interviews wie dieses m.E. nicht einfach so zwischen Tür und Angel gegeben werden, drängt sich mir ein böser Verdacht auf, eine ungute Vorahnung von dem, was passieren kann: Menschen mit Burnout könnten zum Politikum der Tarifvertragsparteien werden! Ja das gesamte Gesundheitsthema Burnout, oder allgemein psychische Belastungen am Arbeitsplatz könnten zum Politikum werden!

Lesen Sie meinen ganzen Blog-Beitrag "Outsourcing des Burnout-Problems" auf www.burnout-unternehmensberatung.de.