Montag, 25. Juni 2012

Überlasten Sie Ihre Mitarbeiter!

Boreout mit Burnout bekämpfen?


Vieles im Leben ändert sich nicht. So auch der Umstand, dass egal wie viel ein Mensch im Leben erlebt, gesehen, gehört oder gelesen hat, es nicht noch etwas Neues für ihn geben könnte. Und meist ereilt einen diese Erkenntnis, wenn genau jener Gewöhnungseffekt eintritt, vor dem das Sprichwort warnt.

Und so war ich nicht nur überrascht sondern zu tiefst schockiert, diese Aufforderung in einem Artikel zu lesen: Überfordern Sie Ihre Beschäftigten. Der Autor hat Boreout als gefährlich ausgemacht und will wohl angesichts der Diskussion um Burnout dem jüngst in Artikeln aufgetretenen Begriff und Phänomen mehr Aufmerksamkeit und Raum einräumen.

Boreout, das sei kurz eingeschoben, ist ein Zustand der permanenten Unterforderung, der langfristig zu Depressionen führen kann / soll, da zu geringe Anforderungen an Qualität und Quantität der geleisteten Arbeit über innere Mechanismen der Unzufriedenheit vereinfacht aufgedrückt zu Langeweile führt. Interessanterweise bemühen sich die Gelangweilten aber nicht diesen Zustand zu ändern sondern sind bemüht Auslastung oder Überlastung vorzutäuschen. Nicht unerwähnt bleiben soll auch, dass der Zustand Boreout, der von seinen Begründern als Gegenstück zum Burnout (Erkrankung aus Überlastung) eingeführt wurde, nicht unumstritten ist.

Ich selbst gehöre zu den Kritikern des Boreout-Begriffs. Nicht weil ich leugne, dass es am Arbeitsplatz unterforderte Menschen gibt, die einen größeren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten könnten und auch gerne würden. Ich sehe Boreout jedoch lediglich als ein neues begriffliches Konstrukt, für einen Zustand, den die Organisationspsychologie schon seit Jahrzehnten kennt: Innere Kündigung.

Der Umstand, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jeden Tag zur Arbeit erscheinen und ihren Dienst versehen, nach Vorschrift und dies durchaus auch vorbildlich und dennoch bereits längst ihre innere Kündigung unterschrieben haben, d.h. dem Unternehmen innerlich nicht mehr zugeneigt sind, ist seit langem bekannt. Sympathie und Schaffenswille sind Gleichgültigkeit und dem „Glänzen durch Anwesenheit“ gewichen. Der Umfang von innerer Kündigung in Unternehmen ist in der Vergangenheit unterschiedlich hoch angesetzt worden. Teilweise soll er 50 Prozent betragen. Im Vergleich zu 12 Prozent Betroffenen mit Überlastungssymptomen, wie negativem Stress und Burnoutsyndrom erscheint dies ein hoher Wert, der unbedingt durch Manager und Vorgesetzte bekämpft werden muss.

Muss er? Und wenn ja, dann wie? Mit Überlastung der Beschäftigten? Und ist es wirklich Boreout, der bekämpft werden muss? Oder sollten Manager, Führungskräfte und Beschäftigte selber nicht gegen andere Umstände im Unternehmen wirken?

Die Antworten sind so einfach wie die Fragen: Vielleicht. Das ist situationsabhängig. Nein. Nein. Ja.

Lesen Sie meinen gesamten Blog "Überlasten Sie Ihre Mitarbeiter" auf burnout-unternehmensberatung.de

Dienstag, 12. Juni 2012

Abschalten vom Burnout gibt es nicht


Freizeit und Urlaub schützen nicht vor Burnout
Selbst aus berufenem Mund soll schon so manches Unwort gekommen sein. Das Rote Beete-Saft, wie eine afrikanische Gesundheitsministerin einst verkündete, gegen AIDS helfen soll, mag zumindest in der westlichen Welt auf taube Ohren fallen. Bei psychischen Leiden ist es dagegen schwieriger zu entscheiden, was nun sinnvoll oder nicht sinnvoll ist. Das liegt zunächst einmal daran, dass unser Bildungssystem uns eigentlich nicht so recht auf Gesundheitsfragen im Allgemeinen und noch weniger auf psychologische Fragen unserer Selbst vorbereitet. Wenn dann mal Prominente an Depressionen erkranken, so bieten diverse Lifestyle-Magazine (früher Klatschpresse genannt) zwar dicke Überschriften aber so recht keine medizinisch oder psychologisch geschulte Aufklärung. Und das Studium von allgemein verständlichen Fachmagazinen vermittelt in erster Linie einen Blick auf die allgemein in der Wissenschaft gerade streitenden Meinungen.

Wie erst soll es da bei einer bereits als Epidemie oder Volkskrankheit titulierten Thematik wie dem Burnoutsyndrom aussehen? Burnout kommt zwar nicht unerwartet über die betroffenen herein, wie ich bereits in einem Blogbeitrag versucht habe darzustellen. Aber die unvermittelte Breite, mit der das Phänomen der Gesellschaft nun gegenüber tritt, war so weder angekündigt noch durch eine nennenswerte Anzahl von Experten und Spezialisten vorhergesagt. Man könnte bei der aktuell in den Medien ausgerufenen Burnout Epidemie, in Analogie zum weitgehend unerwarteten Crash der Finanzmärkte, vom Psychologischen Crash der Gesellschaft und ihrer psychologischen Experten sprechen, parallelen zum Versagen der Rating-Agenturen und der wissenschaftlichen Gelehrten in Psychologie und Soziologie ziehen.

Nun ist jeder Mensch natürlicherweise betroffen, wenn ihm ein Fehler unterläuft. Nicht weniger ist ein Mensch betroffen, wenn ihm in seinem Fachgebiet ein Fehler unterläuft. Nun ist es unklar, ob das Nichtvorhersehen der Burnout Welle in diesem Land ein Fehler im Sinne einer falschen Addition oder eines Rechtschreibfehlers darstellt. Es ist aber ein öffentlich gesehenes Versäumnis. Nun haben des Märkte an sich schnell zu reagieren, die Wissenschaften diskutieren und probieren lieber bis klare Ergebnisse vorliegen. Und so ist der Markt für Burnout Prävention schnell von Tatkräftigen Unternehmern besetzt worden, die entweder Fortbildungskurse zum zertifizierten Burnout Berater für 600 Euro anbieten, oder aber Burnout Coaching anbieten. Mit etwas Verzögerung sind Wellness-Hotels auf die Welle aufgesprungen und bieten Reiseveranstalter nun Burnout-Reisen und Burnout-Präventionsseminare an. Als Letzte haben nun die Zertifizierungsinstitute die Burnout-Branche entdeckt. Um in all dem Angebot den Suchenden Hilfestellung zu geben bieten Sie Hotels und Kureinrichtungen eine Zertifizierung an, die bescheinigt, dass es sich um ein geprüftes „Anti-Burnout-Hotel“ handelt.

Diese wirtschaftlichen Auswüchse werden traditionelle Wissenschaftler mit Grausen sehen, denn es besteht beim Thema Burnout nur Einigkeit darin, dass es sich um eine vorübergehende Störung der Fähigkeit zur Lebensbewältigung handelt. Diese tritt zumeist mit Depressionen, Schizophrenie oder, wie in jüngster Zeit häufiger attestiert, Angststörungen auf. Die Auslöser selbst werden in unterschiedlichster Art und Weise gruppiert und bewertet. Und wie auch der Klimawandel von Wissenschaftlern bezweifelt wird, so wird auch unter Psychologen und Psychotherapeuten an der wirklichen medizinischen Existenz von Burnout gezweifelt. Allenthalben hilft dies alles den Burnout betroffenen Menschen nicht weiter.

Wenn es denn also aus berufenem Munde, von einer qualifizierten Stimme der wissenschaftlichen Gemeinschaft eine öffentliche Wortmeldung zum Thema Burnout gibt, die nicht dem eigenen Buch oder der eigenen Klinik dienlich sein soll, dann ist dies sicherlich zu begrüßen. Es kann helfen der allgemeinen Verwirrung ein wenig Aufklärung angedeihen zu lassen. Es ist nicht ohne Risiko, denn Journalisten kürzen gerne ab oder stellen in Berichten und Artikeln eigene Zusammenhänge her. Und auch die Presseagenturen, die die Medien beliefern sind inhaltlich an Wortzahlen und Kernaussagen gebunden. Was die Kernaussage ist, kann dabei zwischen Sprechendem und Hörendem sehr unterschiedlich gesehen werden und auch das gelesene Wort muss nicht dem Geschriebenen entsprechen, nachdem es durch das Gehirn des Lesenden aufgenommen, verarbeitet und interpretiert worden ist.

Und so stellt sich mit die Frage, ob aus berufenem Munde in der vergangenen Woche wirklich verkündet wurde, die Menschen sollten mehr abschalten, um sich vor Burnout zu schützen und ob und wie dies gemeint sein kann?

Lesen Sie den ganzen Blogbeitrag "Abschalten von Burnout gibt es nicht" auf meiner Website.

Montag, 4. Juni 2012

E-Mail Kommunikation und Burnout


Das Burnoutsyndrom als unsichtbarer E-Mail Anhang

Sofern Sie nicht mit E-Mails aufgewachsen sind: Können Sie sich noch an eine Zeit ohne E-Mails erinnern? Können Sie sich - egal wie alt oder jung Sie sind - vorstellen, wie Ihr Leben ohne E-Mail Kommunikation aussehen würde? Wie wäre Ihr Berufsalltag? Wie würden Sie mit Kolleginnen und Kollegen kommunizieren? Nehmen wir an, Ihr Arbeitgeber schafft morgen alle E-Mail-Konten ab: Was wäre dann?

Niemand käme auf die Idee, E-Mail-Konten abzuschaffen? Doch, Sie werden es nicht für möglich halten, aber es gibt Unternehmen, in denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr über E-Mail-Konten verfügen. E-Mails, so der Tenor der Gründer dieser Unternehmen (und alle mir in den letzten Tagen begegneten Fälle sind unternehmergeführte Betriebe oder Unternehmen, die gerade der Start-Up Phase entwachsen sind), behindern die Kommunikation unter den Beschäftigten.


Nun mag es auch 2012 noch Geschäftsmodelle geben, die es einem Unternehmen erlauben ohne externe E-Mail Kommunikation erfolgreich am Markt zu agieren und mit Kunden zu kommunizieren. Aber keine internen E-Mails mehr? Millionen von firmeninternen E-Mails werden jeden Tag in Deutschland geschrieben und versendet. Um sicher zu stellen, dass die Kolleginnen und Kollegen diese auch wirklich alle lesen, haben sich gewiefte Zeitgenossen angewöhnt, mit jeder E-Mail eine Lesebestätigung zu versenden. Wo der Arbeitgeber diese Funktion nicht deaktiviert hat oder den Angeschriebenen die Wahl lässt, ob eine solche Bestätigung versendet wird, kommen zu jeder versendeten E-Mails nochmal die automatischen Bestätigungen an die Absenderin oder den Absender hinzu - Einschreiben mit Rückschein für alle. In Zeiten der Briefpost war diese Schriftform alleine Staatsorganen vorbehalten.


Haben Sie den Wunsch Ihrem Schreiben besonderen Nachdruck zu verleihen? Markieren Sie es nicht einfach nur als dringend oder mit dem Vermerk „Priorität: Höchste“. Nein, das tun viele heutzutage. Dies macht das Lesen der E-Mails nicht leichter oder schneller. Und wenn Sie gewohnheitsmäßig nur E-Mails mit höchster Priorität versenden, dann gewöhnen sich Leserinnen und Leser schnell daran. Rufen Sie stattdessen gleich an, wenn Sie die Eingangsbestätigung erhalten haben. Die benötigt zwar nur Bruchteile von Sekunden zu ihrem Posteingang und der Adressat wird Ihre E-Mail kaum so schnell gelesen haben, aber das lässt sich ja nachholen, während Sie am Telefon warten. Sofern nicht in diesem Moment jemand persönlich an den Arbeitsplatz der angeschriebenen Person herantritt, haben Sie mit Bildschirm und Telefon die Kommunikationskanäle der betroffenen Person perfekt blockiert. Sie sind mit Ihrem Anliegen sozusagen „am Dransten“. Und Ihre realen Chancen auf Bearbeitung?

Nicht, dass ich zynisch klingen möchte, aber in der Tat „kommunizieren“ wir seit dem Erscheinen von E-Mails in unseren Unternehmen anders. Dieses „anders“ ist so verschieden, vom Büroalltag der letzten 50 Jahre, dass es ihn praktisch über Nacht ersetzt hat, ohne dass es eine Betriebsanleitung für die neue Arbeitswelt gegeben hätte. Schlimmer noch: Kaum hatten die Endkunden E-Mails, fingen Sie an Unternehmen E-Mails zu schreiben. Noch heute gibt es regelmäßige Untersuchungen, denen zu Folge Unternehmen nicht, nach langer Wartezeit oder unzureichend und unvollständig auf externe E-Mails von Kunden reagieren oder dies mit unpassenden Antworten tun - 15 Jahre nach Beginn der E-Mail-Kultur.

Überall um uns herum schwirren E-Mails ganz unterschiedlicher Prioritäten. In vielen Unternehmen gehört es zur Pflicht selbst bei eintägiger Abwesenheit vom Arbeitsplatz eine automatische Abwesenheits-Notiz zu aktivieren, die jeden Absender informiert, wen sie oder er gegebenenfalls alternativ anschreiben oder anrufen kann. Weiterleitungen sind ebenfalls ein Weg die E-Mails schnell zu einem anwesenden, menschlichen Bearbeiter zu senden. Und wenn Sie öfters außer Haus sein sollten, so haben Sie wahrscheinlich einen Blackberry© von Ihrem Arbeitgeber erhalten, wahlweise ein Smartphone oder aber mindestens einen mobilen Internetzugang für Ihren Laptop, Netbook oder den ihn automatisch mit dem neuen Tablet-PC. Sie sind immer erreichbar. Das ist auch ratsam, denn wie sonst sollten Sie in der Lage sein, alle E-Mails an Sie zeitnah und inhaltlich korrekt zu beantworten? Sie müssen permanent involviert und in den Kommunikationsstrom eingebunden sein, wollen Sie im Team erfolgreich mitspielen. Müssen? Und es geht doch um Teamarbeit und nicht um mitspielen in einem Unternehmen?

Manche Menschen brauchen dieses Gefühl immer erreichbar zu sein und viele Vorgesetzte brauchen das Gefühl immer und überall alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreichen zu können. Und angesichts der zahllosen E-Mails (wissen Sie eigentlich wieviele Sie davon am Tag, in der Woche, pro Jahr schreiben oder beantworten?) und dem begrenzten Zeitbudget schreiben und schauen viele Menschen dankbar für die neue Technologie schon einmal am Sonntagabend nach neuen Emails. Die sind dann nicht unbedingt mehr am Freitagabend geschrieben, sondern unter Umständen auch am Samstag zur Mittagszeit oder sonntags nachmittags. Was am Sonntag weggearbeitet ist, liegt am Montag nicht mehr auf dem elektronischen Schreibtisch. Schlimmstenfalls aber müssen Sie damit rechnen, dass dann bereits die in der Frühe geschriebene Antwort auf Sie wartet. Sie befinden sich nämlich in einem Dialog.

Bei der Volkswagen AG sah man diesen Trend in der Unternehmensleitung wie im Betriebsrat wohl mit Grausen? Arbeiten, statt das Wochenende mit Familie oder Freunden zu verbringen? In Zeiten des Burnoutsyndroms konnte es nicht richtig sein, dass ein pausenloser Email-Verkehr zwischen ruhebedürftigen Vorgesetzten, Managern oder Beschäftigten stattfand. Die „Lösung“? E-Mails können nur noch bis eine Stunde nach Ende der Gleitzeit gesendet und empfangen werden. Danach werden bei der Volkswagen AG die Mailserver herunter gefahren, bis sie eine Stunde vor Beginn der offiziellen Gleitzeit wieder in den Vollastbetrieb gehen. Aber hilft dies wirklich gegen Burnout im Unternehmen, insbesondere wenn weiter ungehindert telefoniert werden und jeder Nutzer seine E-Mails als Drafts vorschreiben kann?

Lesen Sie den kompletten Blogbeitrag "E-Mail Kommunikation und Burnout" auf meiner Website.